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Geoscoring bei Bonitätsabfrage kann Kreditaufnahme erschweren

Wer in Deutschland einen Kredit aufnehmen oder einen Finanzierungskauf tätigen möchte, muss sich dafür im Regelfall vorher einer sogenannten Bonitätsauskunft unterziehen. Aufgrund dieser Auskunft prüfen die Anbieter, ob bereits negative Merkmale zur Kreditwürdigkeit vorliegen und verweigern in einem solchen Fall oftmals die Kreditvergabe. Seit dem im April 2010 eine Datennovelle für Bonitätsauskünfte beschlossen wurde, ist es den Auskunfteien auch erlaubt, als weiteres Merkmal das sogenannte Geoscoring anzugeben, bei dem die Wohnumgebung einer Person sich auf dessen Bonität auswirken kann. Dies führt mitunter zu sehr merkwürdigen Ergebnissen, wie ein Bericht auf „welt.de“ zeigt.

Verbraucherschützer kritisieren das Vorgehen scharf

Aus Sicht der Verbraucherschützer werden durch das Geoscoring sehr viele falsche Interpretationen bezüglich der Bonität von Personen zugelassen. Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht die Annahmen, die verschiedene Unternehmen aus einer solch spärlichen Datenlage ziehen, als äußert schwierig an. Deshalb sei geplant, noch in diesem Monat eine Umfrage zum relativ neuen Recht auf Selbstauskunft zu starten und zu veröffentlichen. Oftmals würden vor allem kleinere Shops im Internet die Bonität eines Kunden aufgrund einiger weniger Daten einschätzen, weil dies wesentlich günstiger sei und die kleinen Unternehmen kein großes Budget für diesen Bereich einplanten, hieß es in dem Bericht auf „welt.de“.

Im Einzelfall wurde einer Frau eine Finanzierung wegen falscher Wohngegend verweigert

Der Bericht auf „welt.de“ beschreibt zudem einen Einzelfall, in dem einer Frau ein Ratenkauf im Internet trotz hohen Einkommens verwehrt wurde. Auf Nachfrage fand die Frau heraus, dass ihre Bonität aufgrund ihrer Wohngegend schlechter eingestuft wurde und sie deshalb keine Finanzierung in Anspruch nehmen konnte. Auf Nachfrage bei Arvato Score, einem Tochterunternehmen der Bertelsmann-Gruppe, wurde der Frau ein Brief zugestellt, in dem ganz klar eine weitreichende Verwendung von Geodaten für die Ermittlung der Bonität bestätigt wurde. Wolfgang Hübner, Geschäftsführer von Arvato Services, erklärte dazu jedoch, dass das Geoscoring nicht die alleinige Grundlage der Bonitätsermittlung bildet. Wie die Zahlungsfähigkeit einer Person genau ermittelt wird, ließen jedoch alle Auskunfteien offen, wobei die einzelnen Gesellschaften auf jeden Fall unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Sehr einseitige Datenerhebungen können jedoch mitunter zum Nachteil der Kunden werden, so dass zu hoffen bleibt, dass die Regelungen in diesem Bereich zukünftig etwas genauer definiert werden.

 

 

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