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EU-Kommission plant flexiblere Baufinanzierungen

Wer in Deutschland eine Baufinanzierung plant, nimmt in aller Regel einen Baukredit auf, der eine Zinsbindungsfrist von 10-30 Jahren aufweist, innerhalb derer der Zinssatz konstant bleibt. Was auf der einen Seite eine recht hohe Planungssicherheit bietet, sorgt jedoch auch dafür, dass man das Darlehen kaum vorzeitig zurückzahlen kann, weil dabei oftmals eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnet wird, die bei klassischen Einfamilienhäusern bis zu 20.000 Euro betragen kann. Genau diese Situation will die EU-Kommission in Zukunft anders gestalten, wie aus einem Bericht von „sueddeutsche.de“ hervorgeht, denn am Mittwoch plant die Kommission einen entsprechenden Richtlinienentwurf, der große Änderungen zur Folge haben könnte.

Hohe Vorfälligkeitsentschädigungen gibt es nur in Deutschland

In den meisten Staaten der EU gibt es kaum lange Zinsbindungsfristen und entsprechend hohe Vorfälligkeitsentschädigungen, sondern es ist alles wesentlich flexibler geregelt. EU-Binnenmarkt-Kommissar Michael Barnier wird am Mittwoch dazu den Entwurf für eine neue Richtlinie vorlegen, die laut des Berichts der „Süddeutschen“ die Vorfälligkeitsentschädigungen ursprünglich ganz verbieten sollte. Im Verband öffentlicher Banken (VÖB) sieht man das Ganze jedoch gelassener und geht offenbar nicht davon aus, dass der Entwurf in dieser Form präsentiert wird. Vielmehr habe man in der EU-Kommission Rücksicht auf die Position der Banken aus Deutschland genommen, hieß es weiter. Während aus inoffiziellen Kreisen nun bekannt wurde, dass die Vorfälligkeitsentschädigung EU-weit auf 3% der Darlehenssumme begrenzt werden könnte, gehen die Banken in Deutschland sogar davon aus, dass dieser Punkt komplett unangetastet bleibt und an die jeweiligen EU-Staaten verwiesen wird.

Verbraucherschützer reagieren empört auf Lobbyismus

Sollte das Eingreifen deutscher Banklobbyisten in Brüssel letztlich doch verhindern, dass es Änderungen in Bezug auf die Vorfälligkeitsentschädigung geben wird, würden Verbraucherschützer dies mit großem Unverständnis aufnehmen. Bei der Verbraucherzentrale Bremen wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass Menschen ihre Baufinanzierung in vielen Fällen aus finanzieller Not heraus vorzeitig tilgen möchten, weil beispielsweise das Haus verkauft werden musste. Selten handele es sich dabei um reiche Erben, die ihre Kredite ablösen wollen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung sei zudem nur eine Strafgebühr, um die Kunden von einer vorzeitigen Tilgung abzuhalten, obwohl die Banken durch einen solchen Schritt im Regelfall keinen Verlust machten, hieß es weiter. Wie der Entwurf endgültig aussehen wird, kann aktuell also niemand mit Gewissheit sagen, so dass die Finanzwelt am Mittwoch mit Spannung nach Brüssel schauen dürfte.

 

 

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